Systemgrenzen im Anlieferprozess

Zeitfenstermanagement, WMS und ERP: Wer macht was?

Zeitfensterplanung, WMS und ERP arbeiten im Anlieferprozess häufig mit aufeinanderfolgenden Informationen. Sie besitzen aber nicht dieselbe Aufgabe. Diese Seite ordnet Daten, Verantwortlichkeiten und Übergabepunkte ein.

Die Kernfrage

Ein Anlieferprozess, mehrere fachliche Aufgaben

Wer plant wann die Anlieferung, welches System benötigt welche Information und wann geht die Verantwortung in den eigentlichen Wareneingangs- oder Folgeprozess über?

Die Antwort ist keine universelle IT-Architektur. Sie hängt von Systemlandschaft und Prozessdesign ab. Die fachlichen Grenzen helfen jedoch, Datenübergaben, Rollen und Ausnahmefälle vor einer Einführung klar zu besprechen.

Systemmodell

Zeitfensterplanung, WMS und ERP erfüllen unterschiedliche Aufgaben

Zeitfensterplanung / Dock Scheduling

Koordiniert typischerweise, wann eine Anlieferung stattfinden soll und welche Zeitfenster, Ressourcen oder Rampenkapazität dafür vorgesehen sind.

Typische Daten: Buchung, Zeitfenster, Ressource/Rampe, geplante Ankunft.

Nicht Kernaufgabe: Wareneingang buchen, Bestand führen oder Putaway steuern.

WMS

Unterstützt typischerweise die lagernahe Ausführung, den Wareneingang und die davon abhängigen Folgeprozesse.

Typische Daten: erwartete Lieferung, Wareneingangsergebnis und lagerbezogene Folgeinformationen.

Nicht Kernaufgabe: einen Terminmarkt oder externe Slot-Buchungen koordinieren.

ERP

Verwaltet häufig Geschäfts- und Belegkontext, etwa Bestellungen sowie Lieferanten- und Lieferreferenzen.

Typische Daten: Bestellung, Liefer-/Bestellreferenz, Geschäftspartner und Belegfolge.

Nicht Kernaufgabe: die operative Rampenbelegung oder Slot-Buchung im Detail steuern.

Ein Lieferavis beziehungsweise ASN ist dabei ein Informationsobjekt, kein zwingend eigenes System. Yard Management und TMS können angrenzen, lösen aber andere Teile des Prozesses. Mehr zur Grenze zwischen Terminierung und physischem Hofprozess erklärt Zeitfenstermanagement vs. Yard Management.

Reference Asset

Vom Lieferavis bis zum Folgeprozess: Wo Informationen übergehen

Die Abfolge zeigt typische fachliche Übergaben. Eine Verbindung bedeutet benötigten Informationsaustausch – nicht automatisch eine technische Schnittstelle, API oder vorhandene onDock-Integration.

  1. 1

    Lieferinformation / Avis

    Liefer-, Bestell- und Transportbezug

    ERP / Lieferant / Carrier
  2. 2

    Termin / Zeitfenster

    Buchung, Zeitraum, Ressource

    Zeitfensterplanung
  3. 3

    Geplante Ankunft

    Erwartete Zeit, Carrier- und Rampenkontext

    Planung / ggf. TMS
  4. 4

    Tatsächliche Ankunft

    Ist-Zeit, Status, Klärungsbedarf

    Operative Rolle / ggf. Yard
  5. 5

    Wareneingang

    Lieferbezug, Ergebnis, Abweichung

    WMS / Wareneingang
  6. 6

    Bestands-/Folgeprozess

    Wareneingangsergebnis und Belegfolge

    WMS / ERP
Lesart: Zwischen den Schritten können Avis und Referenz, Buchungs- und Rampenkontext, geplante Ankunft, Ist-Zeit/Abweichung sowie das Wareneingangsergebnis übergeben werden. Welches System diese Information fachlich führt, kann je nach Architektur variieren.

Reference Asset

Welche Datenobjekte brauchen welche Verantwortung?

Die Datenverantwortungs-Map ordnet typische Herkunft, Nutzung und fachliche Führung ein. Sie zeigt keine starre System-of-Record-Architektur: Die konkrete Verantwortung kann je nach Prozessdesign variieren.

Für kleine Bildschirme nach Prozessphase gegliedert:

A · Lieferinformation vor der Terminierung

Lieferavis

ERP variabel Lieferant, ERP oder vorgelagerter Prozess · benötigt von Planung, WMS und operativen Rollen

Klärungsfrage: Welche Liefer- und Referenzdaten müssen vor der Terminierung vorliegen – und wer prüft ihre Vollständigkeit?

Liefer-/Bestellreferenz

ERP häufig im ERP · benötigt von Planung und WMS zum Abgleich

Klärungsfrage: Welche Referenz verbindet Buchung, erwartete Lieferung und Wareneingang eindeutig?

Lieferant / Transportpartner

ERP TMS häufig dort gepflegt · benötigt von Planung und operativen Rollen

Klärungsfrage: Welche Beteiligten müssen zum Buchungskontext bekannt sein – und wo werden sie gepflegt?

Fahrzeug

TMS variabel Carrier oder Buchung · benötigt von Planung und Ankunftsprozess

Klärungsfrage: Ist die Fahrzeuginformation vor Ankunft erforderlich – und wer darf sie ändern?

B · Termin- und Ressourcenplanung

Zeitfenster

Planung Termin und Buchungsstatus · benötigt von Carrier, Standort und weiteren Rollen

Klärungsfrage: Wer muss neue, bestätigte oder stornierte Termine kennen?

Rampe / Ressource

Planung variabel Planung oder Standortstammdaten · benötigt von Planung und operativer Ausführung

Klärungsfrage: Wo wird die verfügbare Rampe geführt – und wer darf sie ändern?

Geplante Ankunft

Planung TMS Buchung, TMS oder Planung · benötigt von operativen Rollen und gegebenenfalls WMS

Klärungsfrage: Welche Rollen oder Systeme benötigen die geplante Ankunftszeit?

C · Ankunft und Änderungen

Tatsächliche Ankunft

operative Rolle Gate-, Yard- oder operative Rolle · benötigt von Planung und WMS

Klärungsfrage: Wer benötigt die tatsächliche Ankunft und die Abweichung zum Plan?

Statusänderung

variabel im jeweiligen Prozessschritt · benötigt von betroffenen Rollen und Systemen

Klärungsfrage: Was bedeutet ein Status – und welche Rolle muss darauf reagieren?

Umbuchung

Planung oder autorisierte Rolle · benötigt von Carrier, Standort und abhängigen Rollen

Klärungsfrage: Wer benötigt alten Termin, neuen Termin und Änderungsgrund?

Storno

Planung oder autorisierte Rolle · benötigt von Carrier, Standort und abhängigen Rollen

Klärungsfrage: Wo muss das Storno wirksam werden und wer muss davon erfahren?

D · Wareneingang und Folgeprozess

Wareneingang

WMS operative Rolle Wareneingangsprozess · benötigt von ERP, WMS und Folgeprozessen

Klärungsfrage: Welches Ergebnis oder welche Abweichung muss für Folgeprozesse geklärt werden?

Bestandsbuchung

WMS ERP je nach Architektur · benötigt von ERP, WMS und Folgeprozessen

Klärungsfrage: Wo wird die Bestandsbuchung fachlich geführt – und welche Folgeprozesse benötigen ihr Ergebnis?

Vor Einführung klären

Checkliste für Daten und Zuständigkeiten

Vor der Buchung

  • • Welche Liefer- und Referenzdaten müssen vorliegen?
  • • Welches System kennt sie verbindlich?
  • • Wo werden Rampen und Ressourcen geführt?

Bei Buchung und Änderung

  • • Welche Daten entstehen durch Zeitfenster und Buchung?
  • • Wer benötigt Statusänderungen?
  • • Wie werden Umbuchung und Storno eingeordnet?

Bei Ankunft und Wareneingang

  • • Wann beginnt der Wareneingangsprozess?
  • • Welche Information muss nach Ankunft weitergegeben werden?
  • • Welche Rückmeldungen werden benötigt?

Für Ausnahmen

  • • Wer entscheidet bei Abweichungen?
  • • Welche Information muss sichtbar werden?
  • • Welche Eskalation gilt bei fehlenden Daten?

Für die organisatorische Einführung vertieft Zeitfensterplanung einführen die Fragen nach Pilot, Rollen und Alltagstauglichkeit.

Ausnahmeprozess

Wenn der Plan vom tatsächlichen Ablauf abweicht

Verspätete oder frühe Anlieferung

Frage: Bleibt Termin oder Ressource tragfähig? Klärung: Ist-Zeit, neue Erwartung und Entscheidung an die betroffenen Rollen geben.

Umbuchung oder Storno

Frage: Welcher Kontext ist noch gültig? Klärung: Alten und neuen Termin, Ressource sowie Empfänger eindeutig behandeln.

Fehlendes Avis oder Referenzdaten

Frage: Kann die Lieferung sicher zugeordnet werden? Klärung: Fehlende Daten und den vorgesehenen Ausnahmeweg klären.

Unangekündigtes Fahrzeug

Frage: Wer entscheidet über Priorität und Umgang? Klärung: Identifikation, Kapazität und Verantwortlichkeit festlegen.

Rampen- oder Ressourcenwechsel

Frage: Welche Folgeentscheidung entsteht? Klärung: Neue Zuordnung und betroffene Parteien kommunizieren.

Soll-/Ist-Abweichung

Frage: Welcher Status gilt fachlich? Klärung: Ereignis, Empfänger und nächste Aktion eindeutig definieren.

Die Tabelle beschreibt fachliche Klärungen. Sie behauptet keine automatische Verarbeitung oder Synchronisierung durch onDock, WMS oder ERP.

Entscheidungslogik

Wo endet Zeitfensterplanung – und wo beginnt der nächste Prozess?

Zeitfensterplanung endet nicht zwingend an der Rampe

Ihr Kern ist die Koordination vor der Ankunft: Termin, Zeitfenster, Kapazität und Änderungen. Der Übergang zur tatsächlichen Ankunft braucht jedoch klare Informationen und Verantwortlichkeiten.

WMS und ERP beginnen nicht immer am selben Punkt

Je nach Landschaft kann eine erwartete Lieferung bereits vor Ankunft sichtbar sein. Wareneingang, Bestandsbuchung und Folgeprozesse bleiben dennoch andere fachliche Aufgaben als die Terminierung.

onDock unterstützt den Termin-, Zeitfenster-, Buchungs- sowie Ressourcen- und Rampenkontext. Die Seite erläutert darüber hinaus allgemeines Fachwissen; sie ist keine Aussage über eine allgemeine WMS- oder ERP-Integration.

Für den übergeordneten Ablauf von Termin bis Verarbeitung siehe LKW-Anlieferung planen; zur Bedeutung von Vorabinformationen siehe Lieferavisierung im Wareneingang.

FAQ

Häufige Fragen zu Zeitfenstermanagement, WMS und ERP

Was ist Aufgabe des Zeitfenstermanagements im Vergleich zu WMS und ERP?

Zeitfenstermanagement koordiniert typischerweise Termin, Zeitfenster und verfügbare Ressourcen vor der Ankunft. ERP und WMS verarbeiten je nach Systemlandschaft Geschäfts-, Liefer-, Wareneingangs- und Folgeinformationen. Die genaue Verteilung einzelner Daten kann variieren.

Wo gehören Lieferavis und Lieferinformationen fachlich hin?

Ein Lieferavis ist eine Vorabinformation über eine erwartete Lieferung. Es kann aus unterschiedlichen vorgelagerten Prozessen stammen und wird typischerweise dort benötigt, wo Lieferung, Termin und Wareneingang vorbereitet oder abgeglichen werden.

Welche Daten entstehen bei einer Zeitfensterbuchung?

Typisch sind ein vereinbarter Zeitraum, Buchungsstatus, Bezug zu Lieferant oder Transportpartner sowie gegebenenfalls eine Ressource oder Rampe. Welche Daten an weitere Systeme oder Rollen gehen, hängt vom Prozessdesign ab.

Wer muss bei Statusänderungen, Umbuchung oder Storno informiert werden?

Betroffen sind mindestens die Rollen, deren Planung oder Erwartung sich durch die Änderung verändert. Vor dem Rollout sollte daher geklärt sein, welches System oder welche Rolle fachlich führt, welche Information weitergegeben wird und wie die Änderung verstanden wird.

Wann beginnt der WMS- beziehungsweise Wareneingangsprozess?

Das hängt von der Systemlandschaft ab. Typischerweise wird der WMS- und Wareneingangskontext relevant, wenn die erwartete Lieferung zur tatsächlichen Ankunft und anschließenden Warenannahme übergeht. Die Terminplanung ersetzt diesen Prozess nicht.

Nächster Schritt

Anlieferprozess und Zuständigkeiten einordnen

Wenn Terminierung, Zuständigkeiten und Übergaben im eigenen Standortprozess klarer werden sollen, besprechen wir gern die operative Ausgangslage – ohne daraus eine Integrationszusage abzuleiten.

Einführung einordnen